Wunsch nach Frieden – Francis Poulenc und Arthur Honneger in der Esslinger Stadtkirche

Weihnachtskonzert der Jugendkantorei und Kantorei
am Samstag, 8. Dezember 2018, 19:30 Uhr


Die Weihnachtskantate Une Cantate de Noël ist Arthur Honeggers letztes Werk. Nach jahrelanger Krankheit verabschiedete sich der Komponist 1953 von der Welt mit der Botschaft der Hoffnung und Freude. Sein Anliegen als Komponist war es, eine Musik zu schreiben, welche für den größten Teil der Hörer verständlich bleibt und gleichzeitig vom Banalen so weit frei wäre, dass sie auch noch die wirklichen Musikfreunde zu fesseln vermöchte.“ Honegger komponierte die Kantate für Bariton, gemischten Chor, großes Orchester und Orgel. Das Libretto stellte er aus liturgischen lateinischen Texten und populären Weihnachtsliedern zusammen.

Die Kantate ist zweigeteilt. Der erste Teil besingt mythisch in der Manier eines Klageliedes die Adventszeit. Die Musik beginnt dunkel, die ersten Choreinsätze sind ohne Worte. Langsam führt sie mit suggestiver Ausdruckskraft von der Nacht zum Tag, vom Dunkel zum Licht, das durch die Geburt Christi in die Welt getragen wird. Der zweite Teil der Kantate wird strahlend eröffnet mit dem Weihnachtslied „Es ist ein Ros entsprungen“. Auf allen Ebenen spiegelt sich nun die Weihnachtsfreude wieder. Aus verschiedenen Ländern stammende Weihnachtslieder werden in lateinischer, französischer und deutscher Sprache musikalisch verwebt, so dass sich – mit Honeggers Worten – ein Weihnachtsliedersingen wie „ein Schleier um die ganze Welt zieht“. Die bekannten Melodien, die zusammengehalten werden durch das „Stille Nacht“, das durch alle Stimmen wandert, tauchen in kunstvollem Gegen- und Miteinander auf, drängen nach vorne, um sich dann wieder in den großen Chorklang einzufügen. Die Kantate endet mit einem triumphierenden „Laudate Dominum“. Sieben Jahre nach Kriegsende ist das eine berührende musikalische Vision des „Friede auf Erden“ der Weihnachtsgeschichte.

Jetzt ist es nötig, sich auf das Gloria zu richten. Genug Schmerz, genug Leidenschaft! Zugegeben, vom Stabat Mater an bis zur Voix Humaine war das Leben nicht zum Lachen, aber ich denke, dass all die schmerzlichen Erfahrungen zu meiner Bewährung nötig waren. Jetzt ist es genug, Friede! … Friede!” Mit diesen Sätzen spielt Poulenc auf die Verluste aus seinem Freundeskreis der vergangenen zehn Jahren an: Jacques Thibaud, Paul Eluard, Arthur Honegger, sein Partner Julien Roubert und andere mehr.

Poulenc komponierte das Gloria, das er als “große Chor-Sinfonie” betitelte, für Solo-Sopran, Chor und Orchester. Der Text folgt dem Gloria der lateinischen Messe. Das Werk besteht aus sechs Sätzen, die einer klaren Anordnung folgen. Satz I und VI erinnern an Strawinskys Psalmensinfonie – sie stimmen auch in Tempo und Charakter überein. Satz II und IV sind äußerst lebhaft, wobei das „Laudamus te“ durch seine häufig wechselnden Rhythmen und irritierenden Textakzente einen Skandal verursachte. Poulenc konnte dies nicht verstehen: „Ich habe einfach, als ich das Laudamus komponierte, an jene Fresken von Gozzoli gedacht, auf denen die Engel die Zunge herausstrecken und auch an jene ernsten Benediktinermönche, die ich eines Tages beim Fußballspiel gesehen habe.” Der III. und V. Satz, beide mit Sopransolo und sehr langsam, kontrastieren dazu deutlich. Sie vermitteln Poulencs aufrichtige und tiefe Religiosität. Das Finale führt nach einer feierlichen a-cappella-Einleitung zu heiterer Besonnenheit. Die zwei Poulenc zugeschriebenen gegensätzlichen Wesenszüge, der eines “Mönchs“ und der eines “Lausbubs”, leben somit im Gloria in vollendeter Seligkeit. Was bleibt ist das entrückte Bild vollkommenen Friedens und Zuversicht.


Weihnachtskonzert der Chöre
Samstag, 8. Dez., 19.30 Uhr
Francis Poulenc: Gloria
Arthur Honegger: Une Cantate de Noël (Weihnachtskantate)
für Soli, Chor und Orchester
Wiebke Huhs – Sopran
Frank Wörner – Bariton
Sinfonia 02
Konzertmeister: Mathias Neundorf
Jugendkantorei und Kantorei der Stadtkirche
Leitung: Uwe Schüssler
Karten zu € 20,-/12,-
Ermäßigt € 12,-/7,-

Vorverkauf : Die ZeitGenossen, Strohstr. 28, ES, tel. 0711 354986

Abendkasse ab 18.30 Uhr

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admin am 1. November 2018 in Allgemein

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