Weg, weg mit dem, weg, weg! – Bachs Johannes-Passion

Nicht mehr lange – am Karfreitag, 30.3.2018, ist es für uns wieder soweit: Unser nächstes großes Konzert steht an. Dieses Jahr wird Johann Sebastian Bachs “Johannes-Passion” in der Esslinger Stadtkirche erklingen. Gemeinsam mit der Kantorei werden wir den gewaltigen Turbae-Chören Leben einflößen und mit den wunderschönen Chorälen Anteil am Leidensweg Jesu nehmen.

Die Entstehungsgeschichte der Johannes-Passion ist vergleichsweise bemerkenswert: Sie wurde wahrscheinlich insgesamt 4 Mal unter Bachs Leitung aufgeführt, die Uraufführung fand am Karfreitag 1724 als seine erste Passionsdarbietung als Thomaskantor, in der Leipziger Nikolaikirche statt. Im Folgejahr wurde in der Thomaskirche eine umgestaltete Version der Passion nach dem Johannesevangelium aufgeführt. Die dritte Fassung von 1732 entstand, weil Bach inzwischen die Matthäuspassion komponiert hatte, in seiner Johannespassion aber Textpassagen aus dem Matthäusevangelium verwendete. Diese mussten jetzt natürlich ersetzt werden. Durch die vielen Korrekturen und Änderungen war ein Chaos entstanden, und so entschied sich Bach für eine Radikallösung, er schuf eine völlig neue Partitur, die aber im Prinzip der ersten Fassung glich und sich nur hinsichtlich der Evangelien-Rezitative davon unterschied. Bach führte die Arbeit nicht zu Ende, sondern beauftragte einen Kopisten,  die Ur-Partitur mit allen Notizen und Veränderungen in die Neufassung von 1749 zu übertragen. Der Kantor führte die Passion noch einmal mit den alten Aufführungsmaterialien, aber überarbeitetem Text, der nun eher aufklärerisch anmutete, auf. Deshalb hat er seine Umgestaltungen zur Neufassung von 1749 nie selbst gehört. Ein Jahr später stirbt Johann Sebastian Bach und seine Werke geraten in Vergessenheit. Erst Felix Mendelssohn Bartholdy leitet 1830 die Renaissance dieses großen Werks und Bachs gesamten Schaffens ein.

Heute wird regulär die Neue Bach-Ausgabe von 1749 musiziert. Die anderen Fassungen gelten als größtenteils verschollen. Neben dem Text der Kapitel 18 und 19 des Johannes-Evangeliums vertont Bach freie Dichtung für die Arien und Choralstrophen unterschiedlicher Verfasser. Anders als die Matthäuspassion endet die Johannespassion nicht mit der Auferstehung Jesu, sondern mit dessen Grablegung.

Mit dem gewaltigen Eingangs- und Schlusschor, 14 Turbachören, 11 Choralsätzen und der Beteiligung an zwei Arien wird dem Chor eine tragende Rolle zugedacht. Er nimmt hier ganz unterschiedliche Positionen ein: Einerseits nimmt er als Gruppe der Hohepriester und Pharisäer Jesus gefangen, verlangt als Pöbel dessen Kreuzigung, mimt die prügelnden und spottenden Häscher, streitet sich um seine Kleider, während dieser über der Szene am Kreuz hängt. Andererseits beweint er die furchtbaren Ereignisse und bittet um Gnade in den zahlreichen Chorälen.

Nach einer intensiven Probenzeit freuen wir uns auf die Aufführung am Karfreitag, 30.3.2018, um 15 Uhr in der Stadtkirche Esslingen.

Die Besprechung des Konzerts in der Esslinger Zeitung hier:

Alle Infos zum Konzert hier: Nächste Veranstaltung

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admin am 5. März 2018 in Allgemein

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